Der Tag der Beerdigung – Ihre Fragen, meine Antworten

Der Tag der Beerdigung oder Trauerfeier rückt näher, und vielleicht haben Sie Angst davor. Das ist ganz normal. Seit 20 Jahren begleite ich als Trauerrednerin Familien durch diesen Tag, und ich weiß: Vieles wird leichter, wenn man weiß, was einen erwartet.

Hier habe ich die Fragen gesammelt, die mir Angehörige am häufigsten stellen – von der Kleidung bis zum Abschied am Grab.

Wenn wir die Trauerfeier gemeinsam gestalten, bereiten Ihr Bestattungsinstitut und ich alles sorgfältig mit Ihnen vor. Und ich werde an Ihrer Seite sein. Zusammen gehen wir da durch.

Inhalt


Vor der Trauerfeier

Was ziehe ich an?

Am wichtigsten ist, dass Sie sich etwas anziehen, in dem Sie sich weder unwohl fühlen noch frieren. Trauerhallen können im Winter sehr kalt sein, am Grab steht man im Regen oder in der prallen Sonne. Also denken Sie an Jacke / Schirm / Kopfbedeckung / Sonnenbrille.

Üblich sind nach wie vor Schwarz oder dunkle, gedeckte Farben.

Vielleicht haben Sie sich aber auch entschieden, auf Trauerkleidung zu verzichten und lieber in einer Lieblingsfarbe oder einem Lieblingskleidungsstück Ihres verstorbenen Angehörigen zu kommen.

Nur Sie allein wissen, was Sie darin unterstützt, durch diesen Tag zu kommen. Kleidung kann wie eine Rüstung sein an diesem schweren Tag.

Wenn die Urnenbeisetzung im Friedwald stattfindet, ist es sinnvoll, Wanderschuhe statt Schuhen mit Ledersohle zu tragen. Auch der Weg von der Trauerhalle zum Grab kann sehr lang sein, manchmal auch matschig, also könnten die neuen High Heels eine schlechte Wahl sein.

Sollte ich etwas zur Beruhigung einnehmen?

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie das unterstützt, können Sie ein mildes pflanzliches Beruhigungsmittel einnehmen. Oder Rescue-Tropfen.

Von richtigen Beruhigungsmitteln rate ich ab – es ist nicht hilfreich, wenn Sie diesen ganzen Tag nur wie durch einen Filter erleben. Im Zweifel sprechen Sie bitte mit Ihrem Hausarzt.

Falls Sie Angst haben, zu weinen oder die Fassung zu verlieren – die Zeit in der Trauerhalle ist ein geschützter Raum und der Rahmen wird von mir und vom Bestattungsinstitut gehalten.

Es dürfen alle Gefühle da sein: Weinen und Lachen, traurig und zornig sein, sich freuen, weil man alte Freunde nach langer Zeit mal wiedersieht – all das gehört zu diesem Tag dazu.

Ich werde in der Gestaltung der Trauerfeier nicht auf die Tränendrüse drücken, sondern das Leben Ihres verstorbenen Menschen würdigen und ihn oder sie nochmal ganz lebendig vor aller Augen holen. Auch das wird Ihnen Kraft geben.

Wann sollte ich am Friedhof sein?

Wenn Sie eine größere Trauergesellschaft erwarten (mehr als 20 Personen), empfiehlt es sich, mindestens 30 Minuten vor Beginn der Trauerfeier am Friedhof zu sein. So können Sie die Trauergäste in Ruhe begrüßen. Es kann sein, dass Sie manche Menschen lange nicht mehr gesehen haben. Das kann sehr emotional werden.

Wenn Sie diesen Tag nur im engsten Familienkreis verbringen, reicht es auch, wenn Sie fünfzehn Minuten vor Beginn am Friedhof ankommen.

Und: Fahren Sie als engste Angehörige bitte nicht selbst. Oft ist die Aufregung davor groß und die Erschöpfung danach auch. Es gibt bestimmt jemanden, der Sie gerne abholt und dann wieder nach Hause fährt.

Sollen Kinder bei der Trauerfeier dabei sein?

Hier habe ich eine ganz klare Meinung. Definitiv ja. Die Kleinsten können im Kinderwagen hinten in der Halle hin- und hergeschoben werden, das stört niemanden, solange sie einigermaßen still sind.

Ab vier bis fünf Jahren können sie einbezogen werden, z. B. indem sie im Vorfeld ein Bild malen oder einen Stein bemalen. Darauf gehe ich in der Rede natürlich auch ein, dann sind die Kleinen stolz, dass sie erwähnt werden.

Gerade die Abläufe am Grab beobachten Kinder immer mit großer Aufmerksamkeit und Neugier. Sie lieben es, Blütenblätter ins Grab zu geben. Und für die Erwachsenen ist es ein Trost, die Kinder zu sehen.

Größere Kinder können Sie fragen, ob sie mitkommen möchten.

Auch beim Trauergespräch können Kinder kurz oder länger dabei sein, falls sie etwas über ihren Opa erzählen möchten oder davon, was sie immer mit Oma gemacht haben.

Ganz selten mal habe ich es erlebt, dass Kinder wirklich gestört haben. Dann kann ja jemand mit ihnen einen kleinen Spaziergang über den Friedhof machen.

Zur Vorbereitung können Sie mit den Kindern ein Buch anschauen oder einen Film. Weitere Hinweise finden Sie hier: Hilfreiche Bücher, Filme und Blogs

Kann der Hund mitkommen?

Auf den meisten Friedhöfen, die ich kenne, sind keine Hunde erlaubt. In den Trauerhallen der Bestatter meistens schon, da können Sie nachfragen. In den Bestattungswäldern wie im Friedwald in Ebermannstadt ist es kein Problem.

Wenn der Hund während der Feier nur betreut werden muss, findet sich sicher eine Lösung.

Falls der Hund aber ein wichtiges Familienmitglied ist, können Sie versuchen, eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken – in kleineren Gemeinden klappt das manchmal.

Ich habe einmal eine Trauerfeier geleitet, bei der während der ganzen Feier ein Irischer Wolfshund ruhig neben dem Sarg seines Frauchens lag.

Wo sitze ich?

Die erste Reihe ist für die engsten Angehörigen reserviert.

Traurig finde ich, wenn zwischen der ersten Reihe mit den Angehörigen und dem Rest der Trauergesellschaft viele Reihen frei bleiben, weil die Leute sich nicht trauen und sich lieber in die letzten Reihen setzen, um ja nichts falsch zu machen.

Eventuell können Sie als engste Angehörige dann auch Freunde bitten, Sie zu unterstützen und sich in die zweite oder dritte Reihe zu setzen, oder auch direkt neben Sie, falls Sie das möchten.

Was, wenn ich Menschen begegne, die ich nicht sehen möchte?

Es kann sein, dass Sie an diesem Tag auf Menschen treffen, zu denen Sie den Kontakt abgebrochen haben oder mit denen schwierige Erinnerungen verbunden sind. Damit sind Sie nicht allein. Nach meiner Erfahrung gilt das für viele Familien.

  • Geschwister, die nicht mehr miteinander reden seit dem Tod der Mutter.
  • Kinder oder Enkel, die den Kontakt abgebrochen haben und jetzt doch auf einmal da sind.
  • Der Ex-Mann, der kommt, weil er die Schwiegermutter gemocht hat.
  • Alte Freunde, mit denen man sich auseinandergelebt hat.

Manchmal ist es hilfreich, im Vorfeld genau festzulegen, wer wo sitzt. Das können Sie mit mir oder dem Bestattungsinstitut besprechen. Ein Kollege erzählte mal von einer Feier, in der Plätze in vier weit voneinander entfernten Ecken des Raumes reserviert wurden: für die vier Ex-Frauen des Verstorbenen, die sich hassten.

Spüren Sie in sich hinein: Brauchen Sie an diesem Tag vor allem Schutz? Dann dürfen Sie Abstand halten und müssen sich diesen Gefühlen nicht auch noch aussetzen.

Gleichzeitig wäre es natürlich auch eine Chance, falls beide Parteien das wollen, einen Schritt aufeinander zuzumachen. Manchmal gelingt das.

In einer Trauerhalle legen Menschen Erinnerungsgegenstände auf einen Sarg. Der Sarg ist aus Filz, nicht aus Holz. Die Menschen sind bunt angezogen, manche haben Fanschals um.
Quelle: “The Good Funeral Guide” von Unsplash. Eine Aktion von Menschen, die die übliche Bildsprache von Beerdigungsbildern verändern wollen, indem sie schöne, kreative Bilder von Trauerfeiern und Beerdigungen teilen.

Während der Trauerfeier

Wie lange dauert das, und wie läuft es ab?

Das ist von Ort zu Ort unterschiedlich. In meinem Einzugsgebiet dauert die Feier in der Regel 20 (Fürth) oder 30 Minuten (Nürnberg und Erlangen). Das hat auch Auswirkungen auf die Wahl der Musikstücke, die nicht zu lang sein dürfen und oft auch während des Hereinkommens und Hinausgehens gespielt werden.

Wie lange es am Grab dauert, hängt davon ab, wie viele Trauergäste erwartet werden. Wenn 30 Menschen zum Grab gehen und sich verabschieden, dauert das etwa 10 Minuten. Wenn es mehr sind, entsprechend länger.

Falls Sie danach ein Trauercafé planen, besprechen wir das miteinander, ich rechne für Sie aus, ab wann Sie in etwa in der Gaststätte sein werden.

Der Ablauf ist oft so:

  1. Eingangsmusik
  2. Einstimmungsworte
  3. Trauerrede
  4. Musikstück
  5. Stille
  6. eventuell Nachrufe oder persönliche Beiträge der Familie und Freunde
  7. Schlussworte, Erklärung, wie es weitergeht
  8. Abschiednahme zur Musik oder Weg zum Grab

Den genauen Ablauf kann ich Ihnen am Ende des Trauergesprächs erklären, wenn ich weiß, wie viele Musikstücke Sie ausgewählt haben und ob noch weitere Beiträge geplant sind.

Wie können wir als Angehörige uns einbringen?

Sie können sich auf vielfältige Weise einbringen:

  • Musik auswählen
  • Foto oder Collage gestalten
  • Blumenschmuck wählen
  • die Urne selbst gestalten
  • einen persönlichen Wortbeitrag vorbereiten
  • eine besondere Kerze mitbringen oder einen Erinnerungsgegenstand Ihres verstorbenen Angehörigen

Ich hatte einmal eine wunderschöne, von der verstorbenen alten Dame selbst gehäkelte Spitzendecke unter der Urne. Oder bei einer Künstlerin viele Bilder von ihr um den Sarg herum. Bei einem Handwerker könnte es eines seiner Werkzeuge sein. Oder einfach nur die Brille und das Lieblingsbuch oder das letzte Buch, das die verstorbene Person gelesen hat, falls sie eine Leseratte war.

All das macht eine Trauerfeier persönlicher und liebevoller.

Von Angehörigen bemalte Urne für die Oma

Darf ich selbst etwas sagen, und was, wenn ich es nicht schaffe?

Natürlich können Sie selbst etwas sagen. Das besprechen wir miteinander im Trauergespräch. Ich bin auch da Unterstützung und Notnagel, wenn Sie es nicht schaffen.

Darf fotografiert werden?

Bevor die Feier losgeht, können Sie gerne ein Foto machen. Bitte achten Sie darauf, dass keine Friedhofsmitarbeiter auf den Fotos sind. Auch ich werde gern vorher gefragt, wenn ich fotografiert oder gefilmt werden soll.

Während der Feier sollten die Handys ausgestellt sein und in der Tasche bleiben.

Der Weg zum Grab

Der Weg zum Grab wird zu Fuß gegangen.

Bei Erdbestattungen wird der Sarg von den Sargträgern gefahren, unmittelbar dahinter gehen die engsten Angehörigen, dann der Rest der Trauergesellschaft.

Bei Urnenbeisetzungen trägt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter des Friedhofs die Urne voran. Falls es Ihnen ein Anliegen ist, kann auch jemand aus der Familie oder aus dem Freundeskreis die Urne tragen. Mir war es wichtig, die Urne von meinem Papa selbst zu tragen.

Auf den größeren Friedhöfen gibt es für betagte Angehörige und Trauergäste oft ein Friedhofsmobil, z. B. am West- und Südfriedhof Nürnberg und auch am Fürther Friedhof. Das kann bei Bedarf reserviert werden.

Am Grab

Wer verabschiedet sich zuerst am Grab, und was macht man dort?

Die engsten Angehörigen gehen in der Regel als Erste ans Grab. Meist ist die Reihenfolge so:

  1. Ehefrau / Ehemann oder Partner / Partnerin
  2. Kinder
  3. Eltern und Geschwister
  4. dann Verwandte, Freunde, Nachbarn

Manchmal möchte auch jemand der engsten Angehörigen als Letztes zum Grab gehen. Auch das ist natürlich möglich, sagen Sie das am besten vorher.

Sie werden mit Ihrem Bestattungsinstitut oder mit dem Gärtner besprochen haben, ob es Streublumen (bei Erdbestattungen) oder Blütenköpfe, Blütenblätter (bei Urnenbeisetzungen) geben soll. Dies wird dann vorbereitet sein und in der Regel gibt es auch Erde mit einer Schaufel.

Sie können Blumen und Erde nehmen oder nur eines von beiden. Nehmen Sie sich Zeit am Grab.

Es können auch noch andere Dinge mit ins Grab gegeben werden, solange sie biologisch abbaubar sind:

  • Foto oder Brief
  • Heimaterde
  • Sand vom Lieblingsstrand
  • Zeichnung der Enkelkinder

Beileidsbekundungen am Grab – ja oder nein?

Sie können mir im Trauergespräch sagen, dass Sie keine Beileidsbekundung am Grab möchten. Ich werde das so ankündigen, dass es jeder versteht. Falls Sie ein Kondolenzbuch aufliegen haben, weise ich an dieser Stelle nochmal darauf hin, dass Menschen sich eintragen können.

Es kann aber auch sein, dass es Ihnen guttut, wenn die Menschen auf Sie zukommen. Eine Freundin hat mir davon erzählt: Sie hat dadurch gemerkt, wie das ganze Dorf Anteil genommen hat und wie beliebt und geschätzt ihr Vater war.

Bitte entscheiden Sie so, wie es für Sie am besten ist.

Was antworte ich, wenn Leute kondolieren?

Ein einfaches „Danke“ reicht völlig. Wenn es Ihnen zu viel wird, können Sie sich auch zurückziehen oder jemanden bitten, Sie abzuschirmen.

Nach der Feier

Nun ist der schwere Tag geschafft. Und vielleicht war er ja auch gar nicht nur schwer. Vielleicht haben Sie auch mal lächeln müssen in der Erinnerung. Vielleicht waren Menschen da, die Ihnen Halt gegeben haben. Auf jeden Fall haben Sie einen weiteren Schritt auf dem Abschiedsweg getan.

Die Trauer ist ein langer Weg. Es ist nicht so, dass mit der Beerdigung das Schlimmste überstanden ist und danach wird es jeden Tag besser. Die Trauer wird Ihnen in unterschiedlicher Form noch länger oder auch lange eine Begleiterin sein. Denken Sie daran: So wie Sie auch durch diesen Tag nicht allein gehen mussten, gibt es Trauerbegleitung und Unterstützung auch für die Zeit danach. Auch Freunde sind bestimmt für Sie da, selbst wenn sie sich manchmal nicht trauen, ihre Unterstützung anzubieten, weil sie nicht wissen wie.

Lesen Sie gern hier weiter: Hilfe danach


Haben Sie Fragen?

Ob Sie gerade mitten im Abschied stehen oder sich langsam vorbereiten – ich bin für Sie da. Schreiben Sie mir gerne oder rufen Sie mich an.

Ihre Bettina Sorge


Wer schreibt hier?

Bettina Sorge, seit 2005 Trauerrednerin, vorher fünf Jahre als Bestatterin tätig

Einzugsgebiet: Erlangen, Fürth, Nürnberg, Mittelfranken

Engagiert bei der BATF e.V., Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerfeier

Die Kommentare sind geschlossen.